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NACHBERICHT BAYERISCHE HALLENMEISTERSCHAFT
 

Ganz ruhig, fast schon arrogant steht TSG-Torhüter Sebastian Steidle zwischen den Pfosten seines Tores. Tief blickt er seinem Kontrahenten Jan-Peter Grunz in die Augen - versucht ihn zu verunsichern. Es ist der zwölfte Siebenmeter des Finales der Bayerischen Meisterschaft im Hallenfußball. Bisher haben alle Schützen getroffen, auch Steidle selbst. Die Ausgangslage ist leicht. Verschießt der Würzburger Keeper, ist Thannhausen Meister. Trifft er, geht es in eine neue Runde.

Grunz läuft an, versucht Steidle in die falsche Ecke zu locken - ohne Erfolg. Steidle pariert, die TSG ist Bayerischer Hallenmeister. Alles, was jetzt kommt, ist nur noch grenzenloser Jubel. Bei Steidle, bei seinen Teamkameraden, bei Coach Uwe Neunsinger, den Funktionären und natürlich bei den knapp 60 mitgereisten Fans. Alle, die in der Halle rot-schwarz gekleidet sind, liegen sich in den Armen. Es ist der finale Schlusspunkt einer außergewöhnlichen Hallensaison der TSG. Denn nach dem Gewinn der Schwäbischen Meisterschaft Anfang Januar darf sich die TSG nun die beste Hallenmannschaft Bayerns nennen. Wer das Turnier gesehen hat, kommt nicht umhin zu sagen: zu Recht.

Denn im Gegensatz zu dem Turnier in Augsburg, trat der Bayernligist in Erlangen von der ersten Partie an sehr konzentriert und souverän auf: „Wir haben heute verdient gewonnen, weil wir kein Spiel glücklich für uns entschieden haben“, urteilte TSG-Coach Uwe Neunsinger nach dem Finale. „Wir standen taktisch viel disziplinierter, als noch bei der Schwäbischen. Das war das Mittel zum Erfolg.“

Dabei fing das Turnier für die TSG alles andere als optimal an. Bereits nach zwei Minuten musste Steidle das erste Mal hinter sich greifen. Man befürchtete Schlimmes. Doch für die Mannen um Kapitän Marian Dischl war dieser Gegentreffer wohl eher ein Weckruf. Durch Tore von Stefan Selig (4.), Volkan Cantürk (8.) und Nikolas Berchthold drehten sie das Spiel gegen den Bezirksligisten Detag Weiden. Und es sollte so weiter gehen.

Gegen den Bayernligisten FSV Erlangen-Bruck gab es für die TSG wieder ein 3:1 (Tore: Selig, Winzig, Balogh). Das Halbfinale war so gut wie sicher. Ein Punkt gegen den Bezirksligisten ETSV Landshut würde zum Gruppensieg reichen. So sollte es dann auch kommen. Ein Tor von Ralf Zimmermann reichte Thannhausen zum 1:1-Unentschieden. Platz eins in der Gruppe war sicher.

„Ich bin jetzt schon zufrieden“, sagte Alexander Graf von Schönborn, Ehrenpräsident der TSG, vor dem Halbfinale. „Jetzt wartet mit Unterföhring allerdings eine ganz spielstarke Mannschaft.“ Schönborn sollte recht behalten. Denn der oberbayerische Vertreter verlangte der TSG alles ab. Erst in der Verlängerung erlöste Kapitän Marian Dischl die lautstarken TSG-Fans mit seinem Treffer zum 3:2. Der dritte Finaleinzug der TSG bei einer Bayerischen Endrunde war perfekt. Und da wartete das nächste Kaliber.

Denn der Würzburger FV war bis dahin ungeschlagen. Warf im Halbfinale den großen Favoriten Erlangen-Bruck souverän mit 3:1 aus dem Turnier. Und auch im Finale zeigte der Landesligist seine ganz Klasse. Zwang Thannhausen bis ins Siebenmeterschießen. Doch da hatte diesmal die TSG das glücklichere Ende auf ihrer Seite.

Stefan Selig konnte am Schluss gar nicht mehr hinsehen. Kurz vor dem Herzinfarkt sei er beim Siebenmeterschießen des Finales gestanden, gesteht der 31-Jährige kurz nach dem Gewinn der Bayerischen Meisterschaft. Kein Wunder verbindet das TSG-Urgestein doch eine ganz besondere Beziehung zur Bayerischen Endrunde.

Denn wohl kein Spieler drückte dem heimischen Budenzauber so seinen Stempel auf, wie der TSG-Mittelfeldspieler in den vergangenen Jahren. Drei Mal wurde er zum besten Spieler der Schwäbischen Endrunde gewählt. Drei Mal gewann er mit der TSG den Bezirksentscheid. Fuhr mit seinem Team zum Landesfinale. Allein, gewinnen konnte er dieses noch nie -- bis jetzt.

Zwei Mal war er schon ganz kurz davor. 2006 unterlag die TSG erst im Finale gegen den ASC Simbach. 2:4 hieß es damals aus Sicht der Mittelschwaben. Ein Jahr danach in Rosenheim war es noch knapper. Erst im Siebenmeterschießen musste sich die TSG damals geschlagen geben. Den entscheidenden Siebenmeter vergab gegen den FC Amberg damals Stefan Selig. Ironie des Schicksals: Ausgerechnet der Spieler, der mit seiner Dominanz das Team ins Landesfinale schoss, scheiterte im entscheidenden Augenblick an den eigenen Nerven. Eine Niederlage, die lange an Selig nagte - das ist jetzt vorbei.

„Ich bin so glücklich, dass wir den Titel gewonnen haben“, sagt der Routinier nach dem nervenaufreibenden Finale. „Das war der letzte Hallentitel, der mir in meiner Sammlung gefehlt hat. Das ist einfach der Wahnsinn.“ Man merkte Selig die Erleichterung an. Im vierten Versuch hat es endlich geklappt. Bayerns beste Hallenmannschaft kommt aus Thannhausen.

Kein Gedanke mehr an die Schmerzen im Sprunggelenk. Keine schweren Beine mehr, kein Seitenstechen. Die Qualen haben sich gelohnt. Und man sah es dem angeschlagenen Leitwolf während der Spiele an, dass er sich quälen musste. Immerhin konnte er vor dem Turnier drei Wochen nicht trainieren: „Ich wollte dem Team unbedingt helfen. Ich wollte den Titel. Ich bin so glücklich“ freute sich Selig nach Schlusspfiff mit seinen Teamkollegen.

An den Siebenmeterpunkt traute er sich diesmal allerdings nicht. Angst davor, wieder zu verschießen? Selig schmunzelt und antwortet: „Nein, aber ich habe mich einfach nicht frisch gefühlt. Wilson hat gesagt, er haut das Ding rein. Da war die Sache für mich gegessen.“ es war die richtige Entscheidung. Denn Wilson Onyemaeke machte seine Sache besser als Selig vor drei Jahren. Er verwandelte den fünften Schuss sicher. Der Rest ist Geschichte.

Sebastian Steidle verwandelte seinen Siebenmeter sicher und parierte den seines Torhüterkollegen Jan-Peter Grunz. Stefan Selig war endlich am Ziel: „Es war heute wahrscheinlich meine letzte Chance, diesen Titel zu gewinnen. Deswegen bin ich um so glücklicher, dass es geklappt hat“, sagt Selig und verschwindet mit seinen Kollegen in die Kabine. Denn „heute Abend brennt die Hütte“. Das verspricht Selig zum Abschied. Die 1500 Euro Siegprämie müssen ja wieder unters Volk gebracht werden. Sie haben es sich verdient.


Quelle: Mittelschwäbische Nachrichten