Bericht Toto-Pokal gegen SpVgg Bayreuth

TSG Thannhausen nach 2:1-Sieg über Bayreuth nun auch bayerischer Pokalsieger

So etwas gelingt nur der TSG Thannhausen. Da wird die Mannschaft nach 31 Jahren wider einmal Schwäbischer Pokalsieger, sichert sich durch weitere Siege die Teilnahme an der DFB-Pokal-Hauptrunde, zieht hier mit dem Bundesligisten Borussia Dortmund das Traumlos (Spiel am 9. oder 10. September) und schwebt drei Tage später erneut im siebten Fußball-Himmel, indem sie im Bayerischen Finale des Toto-Pokales den Bayernligisten SpVgg Bayreuth nach 0:1-Rückstand noch mit 2:1 besiegt, dadurch den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte landet und nebenbei noch 5000 Euro Siegprämie einstreicht.

30 Grad zeigte das Thermometer noch an, als als Schiedsrichter Christian Laicher vom SV Neuhausen gestern Abend im Mindelstadion vor allerdings nur 600 Zuschauern das bayerische Pokalfinale anpfiff. Temperaturmäßig waren die Voraussetzungen für einen heißen Pokalfight also gegeben, fußballerisch sorgte zumindest die TSG Thannhausen dafür. Von Beginn an heizten die Mindelstädter dem Zwangsabsteiger aus der Regionalliga mächtig ein. Wie schon in der voran gegangenen Pokalduellen hatten die Thannhauser keinerlei Respekt vor dem höherklassigen Gegner. Trotzdem waren es nicht die Gastgeber, sondern die Bayreuther die in der 24. Minute völlig überraschend in Führung gingen. Hrvoje Vlaovic hatte eine Vorlage mit der Brust angenommen und das Leder volley in den Winkel des TSG-Tores befördert. Acht Minuten später bewahrte Torwart Sebastian Steidle die TSG vor einem höheren Rückstand, als er mit einer Glanzparade einen Gewaltschuss von Stefan Seufert entschärfte.

Eine Vielzahl brenzliger Situationen spielte sich freilich vor den Tor der Gäste ab. Vor allem Bayram Sadrijaj war es, der seinen Gegenspieler Benjamin Demel immer wieder vor Probleme stellte und es schien nur noch eine Frage der Zeit, bis sein Einsatz mit einem Tor belohnt wird. Dieses erzielte aber sein Mitspieler Stefan Mittelbach, der in der 43. Minute nach einem Freistoß von Stefan Selig ins lange Eck köpfte. Zuvor sorgten bereits Mijo Stijepic und Stefan Selig für ein Chancenverhältnis zu Gunsten der TSG und einen mehr als gerechten Pausenstand.

Die so viel zitierte "Kabinenpredigt" fand anscheinend bei der SpVgg Bayreuth nicht statt oder zumindest bei den Spielern kein Gehör. Denn anstatt einen Gang zuzulegen, verlor der nach dem Zwangsabstieg auf zahlreichen Positionen neubesetzte Bayernligist immer mehr an Gefährlichkeit und Harmonie. Dafür waren die Akteure in der Wahl ihrer Mittel nicht gerade zimperlich. "Ein klarer Elfmeter" ereiferte sich TSG-Trainer Oliver Schmid, als Sadrijaj recht unsanft gerempelt wurde. Er bekam einen heftigen Schlag aufs Becken ab und musste kurz darauf ausgewechselt werden. Zuvor noch bestrafte Sadrijaj das vom Schiedsrichter nicht geahndete Foul auf seine Weise, indem er das machte, wofür ein Stürmer auf dem Platz steht. Er tanzte in der 58. Minute seinen Gegenspieler aus und schoss überlegt ins lange Eck ein. Bayreuth versuchte in der Schlussphase mit ideenlosen Angriffen die sattelfeste TSG-Abwehr auszuhebeln. Doch anstatt die Blamage noch abzuwenden, mussten die Gäste letztlich froh sein, dass diese nicht noch deutlicher ausfiel, denn Mijo Stijepic und zwei Mal Christian Streitel hatten die Möglichkeiten, um für einen klareren Sieg zu sorgen.

Stefan Mittelbach (TSG-Abwehrspieler und Schütze des 1:1): Wenn man ein Tor macht, ist das immer ein überragendes Gefühl. Einfach herrlich. Bei uns herrscht einfach unglaublicher Teamgeist. Wir haben die beste Landesliga-Mannschaft, die man sich vorstellen kann.

Stefan Selig (Thannhauser Regisseur): Davon haben wir geträumt. Es ist ein toller Abschluss der vergangenen Saison - und wir nehmen das gleich als Einstand in die neue mit. Für mich persönlich ist es der bislang größte Erfolg.

Oliver Schmid (Thannhauser Trainer): Wir haben mehr in das Spiel investiert, waren lauffreudiger, bissiger und haben deshalb verdient gewonnen. Wir können stolz darauf sein, dass wir den höchsten Titel geholt haben, den der BFV zu vergeben hat. Ich hoffe, dass die schöne Frau von Lotto auch in der nächsten Saison wieder mit so wunderbaren Schecks vorbei kommt.

Alexander Graf von Schönborn (TSG-Spartenchef): Es kommt ein Feiertag nach dem anderen. Und wir haben keineswegs mit Glück gewonnen, sondern wir waren die bessere Mannschaft. Die Mannschaft hat sich dieses Highlight selbst erarbeitet und sie wird auch richtig damit umgehen. Und wir wollen ja auf dem Teppich bleiben. Der Alltag heißt Landesliga, und hier wollen wir um den Aufstieg mitspielen.

Norbert Schlegel (Trainer SpVgg Bayreuth): Ich hatte nicht den Eindruck, dass meine Mannschaft mit letztem Willen gewinnen wollte. Ein großer Teil meiner Mannschaft ist geistig noch im Bus gesessen, als es losging. Das war nicht bayernliga-würdig. Wenn man fünf oder sechs Totalausfälle hat, kann man nicht gewinnen. Aber das soll die Leistung der TSG nicht schmälern: Der Gegner war einfach dieses Tor besser.

Armin Klughammer (scheidender Verbands-Spielleiter): Das war ein sehr interessantes Spiel. Die TSG hat gezeigt, dass beachtliches Potenzial in der Mannschaft steckt. Es war ein hochverdienter Sieg und die Abrundung einer Saison, die ihresgleichen sucht. Ich ziehe den Hut vor diesem Verein. Hier wird Hervorragendes geleistet.

Volker Wedel (Bezirksvorsitzender Schwaben): Die Thannhauser haben eine tolle Serie hingelegt. Dass sie das Spiel gedreht haben nach dem 0:1, hat mich überrascht.

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