Bericht Oliver Schmid

Sie haben früher schon betont, dass Sie das Engagement in Thannhausen nicht als Dauerlösung sehen. Aber warum kommt der Abschied gerade jetzt? Immerhin hatten Sie Ihren Vertrag erst im Februar um zwei Jahre verlängert.

Schmid:
Tatsächlich wollte ich den Umbruch mitgestalten, den es in nächster Zeit bei der TSG geben wird. Die Maßnahme, im Abstiegskampf auf zwei A-Jugendliche zu setzen, zeigt ja schon, dass ich als Trainer diesen Weg mitgehe. Aber es sind in den vergangenen Monaten natürlich auch kritische Stimmen im Verein laut geworden - was angesichts unserer Ergebnisse völlig normal ist. Wenn"s nicht läuft, wird man eben kritischer beäugt und hinterfragt sich auch selbst, ob es wirklich Sinn macht, noch einmal in eine neue Saison zu gehen. Die TSG Thannhausen ist mein Heimatverein und ich möchte nie in die Situation kommen, in der man zu mir sagt: Da ist die Tür. Bevor ich irgendwann den Weg durch die Hintertür nehmen muss, gehe ich lieber jetzt mit erhobenem Haupt. Der Klassenerhalt zum Abschied wäre okay.

Was sagt denn GmbH-Gesellschafter Alexander Graf von Schönborn dazu?


Schmid:
Wir haben uns vor anderthalb Wochen unterhalten und beide gesagt, dass wir die Zusammenarbeit beenden. Wir haben niemanden darüber informiert, weil wir noch in einer sportlich bedenklichen Situation stehen. Aber ewig kann man das nicht geheim halten.

Ganz spontan: Was war der eine, der unvergessliche Augenblick für den TSG-Trainer Oliver Schmid?


Schmid:
Das war eine Viertelstunde vor Beginn des DFB-Pokalspiels gegen Borussia Dortmund, als der Graf und ich gemeinsam auf dem Spielfeld standen, 10 000 Zuschauer im vollen Stadion gespannt auf den Anpfiff warteten und wir gesehen haben, was aus dem kleinen Thannhausen geworden ist. Dieses Spiel ist als Ereignis nicht zu toppen, auch wenn der Aufstieg in die Bayernliga für den Verein als Gesamtes noch wertvoller war als dieses eine Spiel.

Aufstieg ist das Stichwort: Diesmal ging es beinahe wieder nach unten. Warum ist es nicht nach Wunsch gelaufen?

Schmid: Wir haben über die Jahre eine riesige sportliche Entwicklung hingelegt. Wenn die Strukturen vorhanden gewesen wären, wären wir letztes Jahr in die Regionalliga aufgestiegen. Es hat also vieles gut funktioniert über die Jahre. Aber diesmal hatten wir einen derartigen Substanzverlust in der Mannschaft. Wir haben in einem Jahr eine komplette Offensive verloren - zuerst Bayram Sadrijaj, Mijo Stijepic und Joseph Olumide und in der Winterpause noch Marc Hämmerle. Natürlich haben wir mit Srdan Stevanovic einen Angreifer bekommen, der uns mit seinen Toren sehr geholfen hat. Aber er konnte den Aderlass in der Offensive nicht komplett ausgleichen.

Helfen Sie den Verantwortlichen in Thannhausen jetzt bei der Suche nach einem Nachfolger?

Schmid: Ich bin sicher eingebunden in die Trainersuche. Ich hoffe, dass ein kompetenter und guter Trainer gefunden wird. Und ich bin auch überzeugt, dass es gelingt, denn Thannhausen ist in Schwaben mit die beste Adresse.
Wer muss sich mehr bei wem bedanken - sie beim Verein oder der Verein bei Ihnen?
Schmid: Beides ist richtig. Die TSG hat mir als 25-Jährigem ermöglicht, Trainer zu werden und mit einer guten Mannschaft über viele Jahre zu arbeiten. Aber ich glaube, ich habe das Vertrauen mit guten Leistungen zurückbezahlt. Ich habe sicher mitgeholfen, dass wir in den letzten fünf, sechs Jahren der erfolgreichste Amateurklub in Schwaben waren. Die TSG kann darauf stolz sein und ich auch.

Sechs Jahre als Trainer sind eine lange Zeit. Kommt beim Abschied gar keine Wehmut auf?

Schmid: Doch, natürlich. Viele Spieler (mein bester Freund Stefan Selig, Sebastian Steidle, Christian Streitel und andere) waren Weggefährten über viele Jahre und ich bin stolz, ihr Trainer zu sein. Ich kann nicht alle nennen, aber Graf von Schönborn möchte ich danken: Ich rechne ihm hoch an, dass er immer für mich da war. Auch Klaus Richter hat mir viel abgenommen. Und dann mein Vater, der mich immer geleitet hat und von dem ich viel gelernt habe. Ihm bin ich natürlich persönlich am stärksten verbunden und am meisten dankbar.


Quelle: Mittelschwäbische Nachrichten

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